Vortrag von Tada Sensei am Sommerstage 2012

Budo: Kampf-Sport-Kunst

Der Vortrag von Tada Sensei am Sommerstage 2012
(Zusammenfassung: Marianne Ostermayer)

Am Sommerstage 2012 machte uns Tada Sensei einmal mehr klar, dass wir keine Zeit zu verlieren haben. Wir hätten in den 45 Jahren seit er die schweizer Aikido-Praktizierenden beobachtet, weniger Fortschritte gemacht, als möglich gewesen wären, weil wir Aikido als Sport oder als Selbstverteidigung verstehen und entsprechend unterrichten. Er sieht, dass wir nur Sportler oder Kämpfer ausbilden, die das Wesentliche des Aikido nicht verstehen. Dass Sport und Kampf nicht das Gleiche sind wie Budo-Künste, erläuterte Tada Sensei an der Tatsache, dass in Japan seit April das Fach „Budo“ wieder Pflichtfach an den Schulen wurde, nachdem es nach dem Krieg von der Besatzungsmacht USA verboten wurde und die Ausbildungsstätten für Lehrer des Fachs Budo aufgelöst wurden. Nun haben die japanischen Schulen einen Lehrermangel im Fach Budo, den sie unter anderem mit einer Zeitschrift zu beheben versuchen. Für diese Zeitschrift schreibt Tada Sensei Artikel über die Geschichte und Entwicklung des Aikido.

Tada Sensei lernte mehrere Kampfkünste und erlebte deshalb auch viele Meister, aber ausser O-Sensei waren alle „Sportler“. Nur O-Sensei war Kampfkünstler und Yogi und lehrte mehr als Sport. Damit man bei ihm lernen durfte, musste man sich qualifizieren und Empfehlungen von zwei Leuten haben. Auch für Samurai gab es strenge Privatschulen, an denen sie auf ihre Aufgaben in Politik und Verwaltung vorbereitet wurden. An diesen Schulen lernte man zum Beispiel das Befolgen, bzw. Vermeiden der 12 guten und 12 schlechten Angewohnheiten, die im 16 Jh. von Schwertmeister Kamiizumi Isenokami zusammengestellt wurden und seither überliefert werden.

Tada Sensei unterscheidet mehrere Entwicklungsstufen: 1 Reihenfolge, 2 Präzision und Nobi, 3 Assimilation, 4 Noru (einsteigen, reisen), 5 Inspiration (oberste Stufe).

Reihenfolge
Tada Sensei erzählte, dass er 14 Jahre lang bei O-Sensei im Training war. Etwas vom Wichtigsten war, die Fähigkeit zu entwickeln, die Reihenfolge schnell zu lernen, denn OSensei zeigte viel nur einmal. Damit man etwas ‚sofort‘ lernen kann, muss man das Gefühl erfassen und danach üben, bis die einzelnen Elemente ein Ganzes werden. Es gibt auch unsichtbare Dinge, die man lernen muss. Die Ecken der Bewegung müssen rund werden. Das alles gehört zur ersten Stufe ‚Reihenfolge‘.

Nobi
Die zweite Stufe nennt Tada Sensei ‚Nobi‘. Er übersetzte Nobi mit
· Ausdehnen,
· keine Lücke entstehen lassen,
· Kontinuität.
Nobi ist unabhängig von der Geschwindigkeit.

Assimilation
Die dritte Stufe ist die Assimilation. Dazu zitierte er Nakamura Tempu Sensei, der empfahl, man solle sich keine vorgefassten Bilder machen, sondern Assimilation üben. Unterdessen sagt man dem auch ‚Mental Skill Training‘ (Training der mentalen Fähigkeiten). Man braucht dazu drei Methoden, die Selbstsuggestion, die Kontrolle des Nervensystems und die Analyse.

Noru und Inspiration
Diese Stufen entsprechen dem Samadi (Sanskrit für geistige Ruhe). Der Zustand der geistigen Ruhe war der ideale Zustand der Samurai, weil sie unter Lebensbedrohung lebten.

Die Entwicklungsstufen 1-5 soll man sich nicht schwierig vorstellen. Das eigene Unterbewusstsein repräsentiert das Universum. Wenn das Bewusstsein abwesend ist, begreift man, dass man Teil des Universums ist. Aikido entwickelt den nicht bewussten Teil in uns und steigert so unsere Lebenskraft. Nur wenige entwickeln sich bis zur Erleuchtung so wie Gautama Buddha.

Unsere schlechten Angewohnheiten halten uns in den unteren Stufen gefangen. Assimilation heisst Konfrontation und Sorgen überwinden. Im Budo ist es schwierig, einen physikalisch existierenden Feind im Geist nicht entstehen zu lassen. Schafft man das, wird man stark. Das gilt nicht nur für Feinde, sondern auch für Krankheiten.

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